Miszellen

Verschiebung

Wenn Teufel fliegen und Frösche uns reiten,
wissen wir, wo der Hase begraben und der Hund im Salz liegt.
Das sind dann jene Tage, an denen Weißbrot eine Kugel ist und wir die Erde in den Toaster schieben.
Dann müssen wir auch nicht den Pfeffer suchen, schon gar nicht, wenn wir über den Rand des Haares in den Teller hineinschauen.

Plan B funktioniert nicht

PLAN B funktioniert nicht!

Meine erste Bekanntschaft mit einem Weblog liegt schon einige Jahre zurück. Die lokale Agenda 21 in Margareten hatte ihre persönliche Website in Form eines Weblogs eingerichtet. „Ganz schön einfach“, dachte ich damals und richtete mir spaßeshalber selbst einen ein. Schnell griff ich auf die notwendigen Registrierungen zu, meldete mich an und organisierte mir so meinen ersten persönlichen gratis Weblog. Ich erkannte wie einfach die Handhabung war, probierte ein wenig herum. Noch nie schien es mir in der so kurzen Geschichte des Internets so einfach eigene Texte und Bilder (oder jene von anderen) „ins Netz zu stellen“. Fantastisch. Wow. Ich war schlichtweg begeistert. Das war es dann auch schon wieder. Jener Teil in mir, der sich mit dem kurzfristigen Erfolg des Begreifens zufrieden gibt, hatte wieder einmal über jenen des Durchhaltens gewonnen. Ich wusste, wie ein Weblog funktionierte. Das genügte mir. Was sollte ich auch der Welt kommunizieren? Über meine materiellen und geistigen Verdauungen und die daraus resultierenden Blähungen braucht die Welt nichts wissen. Da bin ich – auch wenn man/frau es mir nicht so schnell glaubt – aber was das betrifft, da bin ich dann doch eher schüchtern.

Und außerdem: Weblogs sind ja nicht wie Websites, auf denen man/frau ein zwei Seiten einrichten kann, vielleicht mit einer kleinen Bildergalerie und das ist es das schon. Sie sind keine Schaufenster, in die geneigte Surfer/innen mit mehr oder weniger Aufmerksamkeit hinein starren, zur völligen Passivität – mit Ausnahme des Clicks – verdammt. Weblogs sind „interaktiv“ - sie fordern zum Mitmachen unter dem Diktat der Chronologie auf. Times they are changing. Die interne Chronologie, die tagesgebundenen Einträge verpflichten dazu weiter zu machen. Es gibt kein Entrinnen und es gibt kein Aufhören. Es ist ein „work in progress“ - eine dauerhafte Arbeit der Kontinuität. Times they are changing. Der Weblog ist ein Versuch diese Zeit zu bündeln und fest zu halten. Und jener Teil in mir, der für die Kontinuität zuständig ist, sträubte sich erneut. Aus war es mit dem Weblog.

Die Idee doch so etwas zu machen, ließ mich dann doch nicht los. Ich erarbeitete einen Plan B. Nein es sollte kein „Privat Parts“ werden, bei dem ich mein Innersten nach außen kehre, wie eine doppelt genähte Steppjacke. Außen weiß, innen schwarz. Je nach Bedarf. Die Ausrede den Weblog doch nicht zu bearbeiten, war also schnell in der Tastatur. Die Vorbilder der Nachbar/innenweblogs waren nicht gerade ermutigend. Befindlichkeitssauce an Alltagseinerlei, das sich besonders eloquent mit einer Prise Jugendneosprech würzte auf der einen Seite, das platte Einbinden von irgendwelchen Fotos, die nicht einmal versuchten LOMO's zu sein auf der anderen Seite. Nicht zu vergessen, das Verlinken von Youtube-Videos oder anderen Späßen, um die Welt wissen zu lassen, was man/frau doch für einen tollen Musikgeschmack habe. Dies wäre die etwas sarkastische Sicht der Dinge. Das gefiel mir Alles nicht. Ein Plan B für einen Weblog ließ sich also doch nicht so schnell entwickeln. Es funktionierte vielleicht mit einem Perspektivenwechsel.

Auf der einen Seite privater Müll, der mich eigentlich nicht zu interessieren brauchte. Auf der anderen Seite, ließen Menschen, die ich nicht kannte mich an ihren Interessen Teil haben, sie gaben mir eventuell Anlass Gleichgesinnte zu finden. Ich erlebte durchaus Informationen, denen ich sonst nicht ausgesetzt gewesen wäre und es war wirklich hin- und wieder erfrischend, wie Weblogs den multimedialen Einheitsbrei, der uns z.B. in Österreich vorgesetzt wird, ein wenig erträglicher machten und machen. Das Paradoxe ist: Weblogs funktionieren jedoch genau nach den Gesetzmäßigkeiten dieser Medienmaschinerie. Die erste Währung ist „Aufmerksamkeit durch soziale Akzeptanz“. Welcher Weblog wird viel genutzt und oft kommentiert? Wo rülpsen mehr Leute ihren mehr oder weniger qualifizierten Senf hinzu oder ergänzen das Geschriebene mosaikförmig durch kleine Steinchen, die ein umfassenderes Bild machen? Aber auch hier gibt es eine andere Seite: Don und Donna Quichotte, die sich nicht beirren lassen, von Zugriffszahlen und Feedback und unbeirrbar ihre Informationen ins Netz stellen – noch nie war es so leicht zu publizieren, noch nie war es so schwierig sich einen Überblick zu verschaffen.

Plan B, einen Weblog zu gestalten war, wieder ein Stück näher an mich heran gerückt. Ich konnte – und dieser Plan gefiel mir - natürlich die bequeme Ausrede benutzen, dass ich den Weblog als vereinfachte Version einer Website benutze. Als Schaufenster. Jedoch interaktiv und nach dem lesen-schreiben-kommentieren-Prinzip leicht zu bearbeiten... Ja, das ist und war eine Möglichkeit. Die Themenfindung war ganz einfach. Ich setzte mir selbst den Schwerpunkt „Manderl und Weiberl“ - weil mich dieses Thema auch zu diesem Zeitpunkt beruflich zu interessieren hatte, und der Weblog war geboren. Mit dem selben Titel. „Manderl und Weiberl“.

Times they are changing. Die Frage ist jedoch: Wer will all diese Logbücher mit gutem bis gut gemeinten Inhalten, die in unterschiedlichen Sternenzeiten und in unterschiedlichen Intentionen geschrieben wurden, lesen. Um das Passende für sich zu finden, braucht man Zeit, viel Zeit. Um einen Weblog kontinuierlich zu bearbeiten, braucht man/frau ebenfalls Zeit, viel Zeit und die notwendigen Ressourcen. Sind wir wirklich mit dem Weblog dem Versprechen Andy Warhols auf den Leim gegangen, uns unsere 15 Minuten Ruhm in sehr kleinem Kreis abzuholen, oder zumindest die Verheißung dieses kurzen Ruhms in Form von ein paar Trackbacks, Kommentaren und Links? Ich weiß es nicht. Eins ist sicher, der Weblog bringt mir ein Stück Kontinuität, die ich so sehr vermisste.

Doppelgänger

Rudolf Hundstorfer hat eine verdächtige Ähnlichkeit mit Bernd, das Brot

hundstorfer bernd_das_brot

Hoffentlich trifft der Spruch "Dumm, wie Brot" nicht auf den neuen Sozial- und Arbeitsminister Österreichs zu.

Sonntagszeitung

Es ist in Wien eine gute alte Sitte, sich am Sonntag die Zeitung als Dauerleseleihgabe zu besorgen. Die Zeitungsverlage spielen ja auch mit, denn es werden keine Kosten und Mühen gescheut, die geliebte Sonntagszeitung "barrierefrei" zur Verfügung zu stellen. Keine Absperrungen, Sicherheitskontrollen, lästige Verkäufer/innen oder Automatenschranken sind zu überwinden. An jeder Kreuzung, an jeder Ampel, an etlichen Verkehrsschildern hängen die Taschen mit einem Paket an Zeitungen, das darauf wartet von den Anrainer/innen mitgenommen zu werden. Die paar Cent Finderlohn, die von einigen in diese Minisparbüchsen hinein geworfen werden sollen, sind nichts anderes als Gewissensberuhigung.

Seit neuestem werden diese Zeitungsaushangtaschen mit (Werbe)botschaften aller Art versehen. Vor der Wahl lächelte SPÖ-Chef Werner Faymann von sämtlichen Krone-Zeitungsaushangtaschen - der Erfolg gab ihm offensichtlich recht.

Am Sonntag, den 9. November dokumentierte ich folgende Botschaften:

Kronenzeitung: "Landwirtschaft aus ganzem Herzen".
Eine Werbung für die "Zurück zur Natur"-Linie des Lebensmitteldiscounters "Hofer." Es wundert ja niemanden, dass neben Werner Faymann auch noch glückliche Kühe auf saftigen Wiesen zu sehen sind. Die Kronenzeitung ist nun einmal die Cash-Cow der heimatlichen Zeitungsindustrieund natürlich sehr bestrebt ihr Imperium auszubauen. Da passt die Hoferwerbung sogar gedanklich. Es entsteht die Union der Discounter. Meinungsdiscount und Lebensmitteldiscounter im sonntäglichen Gleichschritt. Wenn das keine Win-Win-Situation ist?

Österreich: "Vignette Gratis".
Der alte Schmäh aus dem Hause Fellner. Nimm dir ein Abo und du kriegst irgendein Klumpert dazu. Diese Abo-Verkaufstrategie ist zwar noch nicht so alt wie das Abonemmentsystem an sich, aber doch schon ein alter Hut. Der eigentliche Anreiz eines Abonnements ist ja an und für sich ein finanzieller. Kaufe 12, zahle 10 oder so ähnlich. Aber das reicht im hart umgekämpften österreichischen Zeiungsbusiness nicht mehr. Die Autobahnvignette für die Leser/innen von Österreich ist bereits ein Klassiker. Der Fellner-Konzern wird die Aboschraube noch mehr anziehen. Dessen bin ich mir sicher. Ich warte schon auf Abo-Kaffeefahrten in die Pampa, wo überforderte Mindestpensionist/innen in Ausflugslokale gepfercht werden und bei faserigem Schweinsschnitzel, sowie klebrigem Erdäpfelsalat so lang berieselt werden, bis sie freiwillig ein Abo nehmen. Auf Lebenszeit, das versteht sich von selbst. Beim Ableben des/der Abonent/in geht das Abo der jeweiligen Zeitung oder Zeitschrift aus dem Hause Fellner an die Erb/innen weiter. Ausstiegsklausel nicht vorhanden.

Wiener Zeitung: "Vignette im Abo. Zum Bestpreis! Gratis dazu das Winter-Genusspaket."
Wer denkt, dass die Anbiederung an die werte Leser/innenschaft nur eine Sache des Boulevards sei, irrt sich gründlich. Die dreihundert Jahre alte Wiener Zeitung setzt auf ähnliche Mittel. Dies nicht ohne Grund. Die Wiener Zeitung überlebt als Blatt der Bundesregierung durch die Zwangsbeglückungen des so genannten "Amtsblattes". Die Wiener Zeitung ist inhatlich durchaus eine Alternative zu anderen Blättern, nur mit dem Unterschied, dass sie sehr unbeliebt ist.
Der Hinweis auf die Lebkuchenleckereien und die Vignette ist vergleichsweise klein. Wichtig ist der darüber stehende Spruch "Gut zu wissen". Die Anbiederungsaktion mit Winterleckereien und Vignette wäre ja auch zu offensichtlich und zu gewollt. Fast schon peinlich. Aber was tut man/frau aus der Marketingabteilung nicht alles, um doch ein paar Leser/innen zu gewinnen.

Stichwort Qualitätszeitung: Dass Qualitätszeitungen durchaus das Spiel mit der Lasche beherrschen, sei nicht verschwiegen. Nur bevorzugen Qualitätsmedien (oder solche, die sich dafür halten) Werbung in eigener Sache.

Der Standard: "Hirnnahrung."
Man/frau beachte den Punkt hinter dem Wort "Hirnahrung". Er verleiht der Geschichte so richtig Nachdruck. Wir sind Hirnnahrung. Das lachsfarbene Blatt, das nun endgültig erwachsen wurde (20. Geburtstag) gibt sich ungewohnt plakativ. "Hirnnahrung." Fast schon peinlich. Über Umwege ließe sich Ironie erkennen, zumal die Assoziation Hirnnahrung und Fisch über den Umweg der Lachsfarbe der Zeitung durchaus möglich ist. Lebatran hieß das früher wohl. Aber eigentlich ist das schon sehr an den Haar(schupp)en herbei gezogen.

Die Presse: "Gedankenfreiheit!".
Bei der altehrwürdigen Presse - im Vergleich zum Standard ein Greis am heimischen Zeitungsmarkt - tut sich Seltsames. Michael Fleischhacker - seines Zeichen Chefredakteur der Presse - macht einen auf Nespresso-Schurli für Zeitungen und lässt sich großformatig plakatieren. Auf die Laschen picken die Pressemenschen ein lapidares "Gedankenfreiheit!" mit Rufezeichen. Also weniger Statement, sondern mehr Aufforderung. Es scheint als wolle der ehemalige Standard-Redakteur Fleischhacker mit aller Gewalt, die als ÖVP-Hauspostille verschriene Presse nach Liberalia führen. Fleischhackers Presse soll also nach dem Ableben der Liberalen (LIF) so eine Art Generalvertretung in Sachen Liberalismus sein. Ehrenhaft!

Kurier: "Best of Kabarett."
Wer als Zeitung mit "Best of Kabarett" wirbt, begibt sich in die Welt der Doppeldeutigkeit. Natürlich handelt es sich um eine Werbelinie für das heimische Kabarett und den Vertrieb von DVD's. Ein Schluss auf den Inhalt der Zeitung lässt sich trotz angeblich strikter Trennung zwischen Werbung und redaktionellen Beiträgen nicht ganz von der Hand weisen. Besonders die Bereiche Innenpolitik, Chronik und Society könnten hier gemeint sein.
Ein Blick auf die Website des "Kurier" bestätigt meine Befürchtungen. Natürlich ist auch die Autobahnvignette (allerdings nur zum halben Preis) Bestandteil der Abolinie. Im Boulevard also doch nichts Neues.

Es empfiehlt sich also durchaus, auf die Laschen der Aushängetaschen zu schauen. Sie verraten mehr über die Zeitungen als man/frau zu glauben meint.

Von "Meister"-Feiern und Fankultur

Rapid mag man einfach. Oder einfach nicht. Das hat wenig mit einer bewussten Entscheidung und mit sachlichem Nachvollziehen zu tun. Für die einen ist Rapid eine Religion, wenn auch nicht genau definierbar ist, wer am Beginn der Heilslehre steht und was die frohe Botschaft nun eigentlich ist; für die anderen ist Rapid nur „rabid“ oder etwas anderes. Wie entscheidet man sich für einen Verein? Oder entscheidet ein Verein sich für dich als Fan? In der Tat sollte man sich den Verein zu dem man steht, nicht nur nach den Kriterien Erfolg und Sympathie aussuchen. Zu wechselhaft sind diese „Werte“ in Zeiten des steten Wandels. Gerade Rapid, aber eigentlich jeder Verein in der Österreichischen Bundesliga, kann ein Lied davon singen. In dem einen Jahr noch Meister; kurze Zeit darauf spielt man gegen den Abstieg oder gegen den Konkurs. Das war in Graz, Tirol und in Wien in der einen oder anderen Form in den letzten Jahren Standard. Ich hoffe, dass Rapid die kommenden zwei Jahre dieses Match erspart bleibt. Denn europäisches Engagement auf der einen Seite und österreichische Bundesliga auf der anderen Seite sind nicht nur ein finanzieller Drahtseilakt. Champions League oder UEFA-Cup schön und gut...Nun, das steht auf einem anderen Blatt.

Die Wahl des Vereins ist eine Herzensangelegenheit. Bei mir war das ganz einfach. Die Initialzündung waren die Farben. Aufgrund der mit sympathischen Vereinsfarben und Trifon Ivanov, der seinerzeit bei der WM 1994 in den Vereinigten Staaten groß aufgeigte, war ich neugierig auf Rapid. Außer Trifon Ivanov kannte ich, der „Zuageraste“, keinen einzigen anderen Spieler. Und ich kam um zu bleiben. Von der viel strapazierten Liebe auf den ersten Blick soll hier nicht die Rede sein. Zunächst war ich das was man einen interessierten Beobachter nennen kann. Oder wie würden eingefleischten „Ultras“ sagen, ein klassisches Sitzplatzschwein, das gemütlich hin und wieder zu einem Spiel kommt und sich dann auf die Nord oder die Südtribüne setzt. Dies änderte sich als ich begann mein eigenes Geld zu verdienen. Und somit war es natürlich leichter Rapid bei den Spielen beizuwohnen und sie zu unterstützen. In den letzten Jahren konnte ich dabei immer wieder beobachten, dass es unter den Fans keine wirkliche Einheit gibt. Das ist Schade. Auf der einen Seite die so genannten Sitzplatzschweine auf der anderen Seite die „Proleten“ von der WEST (andere Bezeichnungen aufgrund diverser Zahlenspiele mit 1 und 8 möchte ich an dieser Stelle unterlassen). Dieses Jahr schien mir die Kluft kleiner. Vielleicht hatte dies auch etwas mit dem Spiel der Österreichischen Nationalmannschaft gegen Schottland im Hanappi-Stadion zu tun, als Andreas Ivanschitz in Hütteldorf einlief und bei seinem ersten Auftritt an alter Wirkungsstätte nicht allzu freudig begrüßt wurde. Die Ultras lernten aus der Reaktion der „anderen“ Fans und der veröffentlichten Meinung und mussten sich rechtfertigen, wobei der ÖFB und auch Josef Hickersberger, der in seiner Zeit als Rapid-Cheftrainer das Spiel mit der Westtribüne zelebrierte, ein sehr zweideutiges Spiel spielten. Und wenn wir ehrlich sind: Gute Stimmung zu verbreiten ist immer lohnender als nur auf die eigenen und/oder anderen Spieler zu schimpfen.

Und dann der Platzsturm nach dem Spiel gegen Altach. Es war ja nicht der erste. Bereits in der vergangenen Saison waren einige nicht zu halten, als Rapid sein letztes Heimspiel bestritt und um die internationalen Startplätze mitspielte. Dieses Mal hatte man vorgesorgt. Andy Marek appellierte mindestens fünfzehn Mal an die Fans ein wenig Selbstdisziplin zu zeigen und sogar „Meisterpapa“ Steffen Hofmann trat an die Fans heran, der Mannschaft eine ruhige Ehrenrunde zu gönnen. Und es kam wie es kommen musste. Irgendwelche Menschen sprangen über Zaun und Absperrung und wollten ihren Idolen mehr als nahe sein, auf Trikotfühlung gehen. Den Moment des Triumpfes für sich nutzen. Nichts konnte die „Glory Hunter“, die am Fußballplatz Bestätigung für ihre Existenz suchen, aufhalten. Nichts half. Keine Buhrufe, kein Zurückpfeifen, kein erneutes Flehen und Bitten... Es ist sicherlich kein Zufall, dass Elias Canettis „Masse und Macht“ seinerzeit vom Rapid-Anhang inspiriert wurde. Oder wie es meine Sitznachbarin ausdrückte: „Sie brauchen sich nicht zu verwundern, wenn sie als niveaulos gelten.“ Man beachte das distanzierende „Sie“. Ich kenne dieses distanzierende „Sie“ nicht. Für mich gibt es in diesem Falle nur ein „Wir“. Und mir tat es und tut es noch immer sehr leid, dass „wir“ nicht ein paar Regeln befolgen können, die die Situation für alle angenehmer machen. Für die Spieler besonders, aber auch für die Funktionäre und für den Verein an sich. Und da waren Sie dann schon wieder, die Rufe von den Sitzplatzschweinen, die ich eigentlich nicht hören möchte. Die langsam wachsende Einheit der Fans verschwand im Moment des Platzsturms. Ob es ein Miteinander aller Tribünen geben wird, wird die kommende Saison zeigen. Ich hoffe es sehr.

Nun drehe ich das Rad der Zeit einige Stunden zurück. Der Tag X. Jener 20. April 2008 an dem Rapid die Chance auf den 32. Meistertitel in der Vereinsgeschichte hatte. Die Vereinsleitung war in Feierstimmung und wollte den Fans etwas bieten. Ein Legendenspiel, Frühshoppen im Rapid-Dorf, ein etwas komisch wirkender Alkbottle-Playback-Auftritt und eine Choreographie im ganzen Stadium – als sichtbares Zeichen der Einheit aller Fans. Natürlich wollte ich mir das Spiel nicht entgehen lassen. Zu toll war die Stimmung während der letzten Heimspiele (Danke WEST!). Beim vorletzten Spiel gegen den Hybridverein aus Pasching und Kärnten fiel mir etwas auf, das mich schon damals nachdenklich stimmte. Nicht das Spiel, das mit dem Glück des Tüchtigen dann doch 2:1 für Rapid entschieden wurde, sondern der Werbeauftritt der Tageszeitung Österreich. Massenweise wurden die Blätter verschenkt und massenweise lag das bedruckte Papier auf der Straße zwischen dem Hütteldorfer Bahnhof und dem Stadion. Hänsel und Gretel mit Zeitungen konnte man spielen. Nun wäre es ein Leichtes, auf die Menschen zu schimpfen, die ein Exemplar der Zeitung nehmen und es dann auf den Boden werfen. Das wäre zu einfach. Denn wir alle kennen die Situation: die unterbezahlten Austeiler/innen machen auch nur ihren Job und aus Mitleid nimmt man dann eine Zeitung mit. Aus Ermangelung an runden Ablagen fliegt das Blatterl dann auf den Gehsteig. Dies wurde dann am 20. April noch einmal getopt. Vorgedruckte Meisterscheiben und ein Fanposter waren in der speziellen Rapidausgabe des sich als Tageszeitung bezeichnenden Massenblattes „Österreich“ zu bewundern. Die Berichterstattung: Ein einziger Hochgesang auf die Mannschaft und es fehlte noch die offizielle Heiligsprechung von Steffen Hofmann durch „Österreich“'s Gnaden. Wochen zuvor wurde das Blatt zum Maierhofer-Fanblatt... Und wieder dasselbe Bild; überall Papier. Die MA48 hatte sicher ihren Spaß und einen Vorgeschmack auf die EURO bekommen. Und doch war es nicht die unnötige Papierflut, die mich nachdenklich stimmte, sondern das „Blatt“ an sich. War es nicht die so genannte Tageszeitung „Österreich“, die selbstherrlich eine Falschmeldung nach der anderen über Rapid brachte? Musste Rapid nicht mehrmals in dieser Saison auf ihrer Website eine Gegendarstellung bringen? Was wurde Rapid nicht da alles angedichtet im Laufe der vergangenen Jahre. „Österreich“ berichtete von Kuratoriumssitzungen, so als seien sie live dabei gewesen. Oder „Österreich“ berichtet über etwaige Sponsor/innen, die Rapid Millionen bringen würden... Auch erschienen die Rapid-Fans nicht immer im besten Licht. Da wurde vor einem Derby schon einmal vorsorglich der Ausnahmezustand in Favoriten ausgerufen, ohne auch nur wirklich stichhaltige Beweise zu haben. Der Auftritt von „Österreich“ kam mir mindestens so komisch vor, wie seinerzeit die etwas grotesk anmutenden Versuche der ÖVP rund um ein Spiel Wahlkampf zu betreiben, indem Männlein und Weiblein mit gelben Jacken versuchten Gummibärchen und Wahlwerbung unter das Rapid-Volk zu bringen. Dabei sind weder die ÖVP noch „Österreich“ offizielle Partner des Vereins. Es gibt ein Wort dafür: „Trittfahrer“. Der neudeutsche Begriff „Glory Hunter“ verdeutlicht noch besser, was gemeint ist. A propos Gloryhunter.

Da war ja auch noch der Auftritt des derzeitigen Bundeskanzlers Alfred Gusenbauer (SPÖ). Bereits in der Pause stand der Kanzler im roten Jäckchen auf dem grünen Rasen. Der Kontrast aus Rot und Grün machte sich ja auch besonders gut. Ich nehme nicht an, dass es sich um eine versteckte Koalitionsansage handelte und als besonders subtiler Hinweis auf die innenpolitische Farbenlehre zu verstehen war. Aber schön ist es ja trotzdem, wenn die SPÖ zumindest mit den Grün-Weißen gut kann. „Lass keine Fremden Götter neben mir sein“, dachte sich wohl der selbst ernannte Volkskanzler und Sportminister und naschte vom süßen Nektar des Erfolges anderer. Das Motto des Auftritts von Alfred E. Gusenbauer: „I am from Austria und ich war schon ein Rapid-Fan als ich noch in der Sandkiste spielte.“ Insofern ist unser aller Gusenbauer „The First Glory Hunter of the Austrian Republic“. Einige Beispiele zur Auswahl. Bei jeder Landeswahl, die die SPÖ in den letzten Jahren gewann, ließ sich Gusenbauer nicht nur sehen, sondern auch feiern. Wir erinnern uns noch alle sehr, wie er auf der Streif im Teamanorak der ÖSV-Mannschaft stand und so mir nichts dir nichts für Iglo und Kronenzeitung Werbung machte. Warum er gestern keine ÖMV-Jacke trug...Schleierhaft. Nach dem Spiel ließ es sich Alfred Gusenbauer nicht nehmen zusammen mit dem Bundesligapräsidenten aus Mattersburg, der sowohl Präsident des dortigen Vereins als auch Mitglied der Grün-Weißen in Hütteldorf ist (was ebenfalls sehr gut ins österreichische Bild passt – und natürlich ein Garant für Objektivität ist) der Mannschaft den Meisterteller zu überreichen. Die Spieler quittierten dies mit einer Sektdusche für die beiden honorigen Herren und das Publikum mit einem Pfeifkonzert für den Bundeskanzler. Und nicht nur das. Das BZÖ hat natürlich nichts Besseres zu tun als per Presseaussendung den Bundeskanzler zu rügen. „(...) 'Herrn Gusenbauer sei ins Stammbuch geschrieben, dass es sportbegeisterte Menschen satt haben, dass der erfolg- und glücklose Umfallerkanzler von einem Sportevent zum anderen hechelt, nur um sein glückloses Politikerdasein mit sportlichen Erfolgserlebnissen Anderer aufzuhellen', so BZÖ-Generalsekretär Gerald Grosz in einer Reaktion zum blamablen Auftritt des Bundeskanzlers bei der Meisterfeier des österreichischen Fußballmeisters 2008 Rapid Wien im Wiener Gerhard Hanappi Stadion.“ (OTS-Presseaussendung BZÖ vom 21. 04. 2008). Dieses Zitat ist natürlich ein wunderbares Zeichen für die derzeitige politische Lage und Kultur. Es geht nur mehr um das Bild, um den Auftritt um das gegenseitige Bashing und – das ist mein Punkt – um die Vereinnahmung sämtlicher Ereignisse, mit einer gewissen medialen und publikumswirksamen Ausstrahlung für den Werbeauftritt in eigener (partei)politischer Sache. Und da ist es eigentlich vollkommen egal, welcher Partei die Herren und Damen angehören. Bescheidenheit ist eine Zier, es geht offenbar auch ohne „ihr.“

Und da war dann noch Richard Lugner. Der Herr Lugner – mir war bisher nicht bekannt, dass er ein Fan ist – kam mit Neomausi und einem kleinen Jungen zum Spiel, und machte das was er immer tut... er machte sich lächerlich. Zum Gaudium der anwesenden Fans auf der Südtribüne. Der Auftritt von Lugner bestätigt dann auch die These, dass das Phänomen „Gloryhunter“ mehr denn je ein Thema ist. Und ich befürchte, dass es sich nicht nur auf Rapid reduziert.

DADAistisches vom Society-Reporter

Der Heinzl (oder wie auch immer der heißt) ist auf dem hiesigen österreichischen Privatsender ATV ein selbsternannter High Society Reporter.
Anders formuliert er läßt sich auf Partys einladen und guckt Mausi Lugner und anderen so genannten Prominenten über die Schulter. Ein Sager der Heinzl'schen Provenienz ist jdoch einer Würdigung wert...Als da wäre:

"Kein Festi ohne Westi"

gemeint ist natürlich der Simmeringer BZÖ Anstandswauwau für Rechts und Unordnung Peter Westenthaler. Das ist eigentlich sekundär. So wie Westi selbst.
Dennoch ließe sich der Sager des Herrn Society-Reporter weiterbasteln.

"Kein Gspusi ohne Gusi" Kanzler Gusenbauers Geschick bei den Koalitionsverhandlungen.

"Kein Lebertran, ohne Gio Hahn" Gio Hahns neues Wissenschaftsprojekt.

usw.

Weitere Vorschläge weiterhin herzlich willkommen.

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